Hermann Hesse, Heumond

Hermann Hesse schrieb mit 28 Jahren die Erzählung Heumond. Der 16jährige Paul Abderegg verbringt den schwülwarmen Juni (Monat der Heuernte - Titelbezug)  mit seinem Vater in dem Landhaus Erlenhof.

Dort erhalten die beiden Besuch von einem Studienkameraden - er ist jetzt Professor - des Vaters von Paul. Der reist mit seinen beiden Töchtern Thusnelde (die Ältere) und Berta, ungefähr in Pauls Alter, an.

Während Paul seine Gefühle für Thusnelde entdeckt, fühlt sich Berta - die von ihrem Umfeld noch eher als Kind wahrgenommen wird, zu Paul hingezogen.

Thusnelde, die sich durchaus als erwachsene Frau wahrnimmt, bemerkt die glühende Verehrung des aus ihrer Sicht noch unreifen Schülers Paul durchaus, begnet Paul aber eher mit einer Mischung aus freundlicher Herablassung und koketter Unnahbarkeit. In seiner eigenen Schwärmerei für Thusnelde nimmt Paul das Interesse der gleichaltrigen Berta an ihm überhaupt nicht wahr.
Fazit: Alle Gefühle in dieser Geschichte werden nicht offen ausgesprochen, sie schwelen im Untergrund und müssen von den unerfüllt Liebenden selbst verarbeitet werden. Die Gewitterschwüle im heißen Monat Juni spiegelt die hohe emotionale Spannung der Geschichte wieder.

Hesse gelingt es, sich meisterlich in die Gefühlswelt seiner handelnden Personen einzudenken und diese zu beschreiben. Egal, wie alt die Leserin oder der Leser ist, man fühlt förmlich mit und wird mit Sicherheit an seine eigene Jugend erinnert, wenn man das Gefühl einer unausgesprochenen und unerwiderten Liebe erlebt hat. So erging es jedenfalls mir. Heumond gehört zu den Erzählungen, die ich mehr als zehnmal gelesen habe. Suchtpotential!

Die Erzählung erschien 1905. Hesse wird beim Suhrkamp-Verlag verlegt.