Ich bin sicher niemand, der sich mit Eifer auf jede literarische Neuerscheinung stürzt. Im Gegenteil, ich bin so ein wenig "hängen" geblieben bei den großen Erzählern zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ab und zu gelingt mir aber auch ein Ausflug auf die Zeit danach und davor. Und was mir in diesem Rahmen gefällt, kann man hier lesen. 

Tucholsky, Schloß Gripsholm

Kurt Tucholsky, Schloß Gripsholm

Schloß Gripsholm ist weit mehr als eine Liebesgeschichte, eine Urlaubsgeschichte, eine Geschichte über eine zur damaligen Zeit gewagt offene Dreiecksbeziehung. Schloß Gripsholm ist ein literarischer Text, bei dem man auch nach dem zwanzigsten Lesen immer wieder neue Nuancen entdeckt.

Das Meisterwerk beginnt mit einem Briefwechsel zwischen Tucholsky und seinem Verleger, Ernst Rowohlt, vielleicht fiktiv, vielleicht real - egal. Dieser Briefwechsel führt in die Geschichte ein, begründet , warum sie aufgeschrieben wurde. Tucholsky reist mit seiner Freundin Lydia (Prinzessin) nach Schweden. Beide quartieren sich auf Schloß Gripsholm ein. Während ihres Aufenthalts besuchen sie Kurts alter Kamerad Karlchen und Billie, die beste Freundin von Lydia. Absolut lesenswert da glaubhaft und alles andere als unmoralisch wirkend beschrieben die Dreiecksgeschichte zwischen Kurt, Lydia und Billie. Muß man lesen!

Otto Gotsche, Und haben nur den Zorn

Otto Gotsche, Und haben nur den Zorn

Und haben nur den Zorn ist ein historischer Roman. Ich habe ihn auf Empfehlung einer Mitschülerin mit 16 Jahren gelesen, oder besser verschlungen. Ich lebte damals am Harzrand, in Wernigerode. Der Roman spielt im 30jährigen Krieg im Harz und im Harzvorland und berichtet über den Widerstand vor allem der Bauern und Bergleute, die im Kampf gegen die Willkür der verschiedensten, das Land  verwüsteten Truppen erfolgreich eine Gegenwehr organisierten. Die Harzschützen waren geboren.

Thomas Mann, Buddenbrooks

Thomas Mann, Buddenbrooks

Erschienen 1901 erhielt Thomas Mann für dieses Werk 1929 den Nobelpreis für Literatur. Wer jetzt eine Inhaltsangabe erwartet, wird enttäuscht. Das geht über Google und/oder KI besser.
Ich habe jedoch eine besondere Beziehung zu diesem Buch, die sich mit der Zeit gewandelt hat. Ich habe mein Abitur in den Spezialklassen für Musikerziehung am Gehart-Hauptmann-Gymnasium in Wernigerode absolviert. Mit zahlreichen Chorproben, Chorlagern, Rundfunkproduktionen und Konzerten war unsere Freizeit mehr als durchorganisiert. Lernen mussten wir aber auch, und die Buddenbrooks (über 800 Seiten Reclam) war Pflichtliteratur Deutsch 12. Klasse.

Hermann Hesse, Heumond

Hermann Hesse, Heumond

Hermann Hesse schrieb mit 28 Jahren die Erzählung Heumond. Der 16jährige Paul Abderegg verbringt den schwülwarmen Juni (Monat der Heuernte - Titelbezug)  mit seinem Vater in dem Landhaus Erlenhof.

Dort erhalten die beiden Besuch von einem Studienkameraden - er ist jetzt Professor - des Vaters von Paul. Der reist mit seinen beiden Töchtern Thusnelde (die Ältere) und Berta, ungefähr in Pauls Alter, an.

Während Paul seine Gefühle für Thusnelde entdeckt, fühlt sich Berta - die von ihrem Umfeld noch eher als Kind wahrgenommen wird, zu Paul hingezogen.