Thomas Mann, Buddenbrooks

Erschienen 1901 erhielt Thomas Mann für dieses Werk 1929 den Nobelpreis für Literatur. Wer jetzt eine Inhaltsangabe erwartet, wird enttäuscht. Das geht über Google und/oder KI besser.
Ich habe jedoch eine besondere Beziehung zu diesem Buch, die sich mit der Zeit gewandelt hat. Ich habe mein Abitur in den Spezialklassen für Musikerziehung am Gehart-Hauptmann-Gymnasium in Wernigerode absolviert. Mit zahlreichen Chorproben, Chorlagern, Rundfunkproduktionen und Konzerten war unsere Freizeit mehr als durchorganisiert. Lernen mussten wir aber auch, und die Buddenbrooks (über 800 Seiten Reclam) war Pflichtliteratur Deutsch 12. Klasse.

Wir mussten uns also durchbeißen, zumal unser Deutschlehrer einen Hang zum Choleriker hatte und niemand provozieren wollte, mit Unkenntnis erwischt zu werden. Und so biss ich mich mit aller größtem Unmut durch diese Schwarte. Unter diesen Voraussetzungen und sicher auch altersbedingt konnte ich dem Text überhaupt nichts abgewinnen.

Später, mitten im Germanistikstudium, lag ich unfallbedingt einige Zeit im Krankenhaus. Ein idealer Ort, um die halbjährliche Literaturliste abzuarbeiten. Die freundlichen Schwestern besorgten mir die Bücher aus der ortseigenen Bibliothek und ich hatte die über 800 Seiten erneut vor mir liegen. Kein Druck, viel Ruhe, 4 Jahr älter und die Bereitschaft, sich dem Text neu zu nähern. Was soll ich sagen - ich habe das Buch gefressen. Dieses professionelle Hineindenken in die Figuren, viele lange Sätzen, denen durch ihre Länge nicht der Sinn verloren ging, wie das sonst so häufig bei langen Sätzen ist, eine meisterliche Sprache und emotionale Tiefe...

Nachsatz: Als ich Jahre später darüber las, dass Thomas Manns Rolle als Vater von emotionaler Zurückhaltung, ja fast Kälte geprägt gewesen sein soll, konnte ich es kaum glauben.