Antisemitismus und Israel

Für mich ein problematisches Thema. Ich bin mir absolut sicher, ich bin kein Antisemit. Obwohl ich Atheist bin, ist mir bewusst, dass die Ausübung einer Religion für viele Menschen eine wichtige Stütze im Leben darstellt. Und alle Religionen pflegen zutiefst humanistische Grundsätze. Das gilt also nicht nur für die 10 Gebote des Christentums.

Problematisch wird es immer dann, wenn Extremisten ihre Religion nach eigener Fasson auslegen. Das gilt für Islamisten ebenso wie für die Rolle der christlichen Kirche bei den Kreuzzügen. Aber zurück zu Antisemitismus und Israel.

Leider gibt es eine lange geschichtliche Tradition des Antisemitismus. die Naziherrschaft war nicht der Beginn, aber zweifellos der bisherige Höhepunkt einer unmenschlichen Verachtung der jüdisch gläubigen Menschen. Das aus der Erfahrung des Vernichtungsfeldzuges der Wunsch nach einem eigenen jüdischen Staat entstand ist nachvollziehbar. Ebenso ist bekannt, dass die Gründung Israels und die Beziehung zu den Nachbarvölkern und -staaten nicht frei von Problemen war uns ist. Es muss gelingen, diese Probleme zu lösen. Ich sehe die Zwei-Staaten-Lösung als die einzig erfolgversprechende.

Konstruktive Kritik an den Gegnern der Zwei-Staaten-Lösung sollte also erlaubt sein. Und hier beginnt das Problem. Das Handeln der Netanjahu-Regierung darf kritisch beleuchtet werden ohne dass man in die Ecke des Antisemitismus gestellt wird. Es ist keine Kritik am Judentum, es ist Kritik an der derzeit in Israel machthabenden Regierung. Sind die Reaktionen auf den schrecklichen Überfall am 7. Oktober 2023 in der Art und Weise angemessen? Ist es angemessen, mit hunderten von zivilen Opfern zu kalkulieren, Menschen als geplante Kollateralschäden?

Das Existenzrecht für einen jüdischen Staat namens Israel ist unbestritten. Das Recht, der derzeitigen Politik der Regierung Netanjahu die uneingeschränkte Unterstützung zu verweigern ist ebenfalls unbestritten und keinesfalls als antisemitisch zu diffamieren.