gespaltene Gesellschaft und Brandmauern

Natürlich ist mir bekannt, dass der Begriff "Brandmauer" keine Erfindung von Friedrich Merz ist. Aber den "Verdienst", ihn 2021 wiederbelebt zu haben, darf man ihm wohl zuschreiben.

Ich beobachte mit großer Sorge, wie sich unsere Gesellschaft zunehmend polarisiert. Es beginnt (übrigens in beiden "Lagern") mit Unzufriedenheit. Es folgt Wut und/oder Resignation und schließlich Hass. Und spätestens dieser Zustand ist das Ende jeglicher sachlicher Kommunikationsfähigkeit. Die Fähigkeit des Zuhörens ist verloren gegangen. Die Ohren öffnen sich, wenn die eigene Meinung bestätigt wird und sie schließen sich sofort, wenn dies nicht der Fall ist. Dann bleibt nur noch die Beschimpfung des Andersdenkenden.

Andersdenkend? Viel schlimmer, der mit der konträren Meinung kann gar nicht denken, der Idiot nimmt nicht wahr, dass er völlig daneben liegt.

Ich beobachte auch in meinem Umfeld, dass beide "Lager" präsent sind. Manche halten sich zurück, andere demonstrieren offen ihre Haltung. Mir macht das Angst. Ich suche bisher vergebens nach Lösungsansätzen, diesen Knoten aufzubrechen. Sicher bin ich mir nur bei einem: Ich darf nicht in den Zustand des Hasses verfallen. Dann bin ich ebenso gefangen in einer Blase, wie ich es bei zu vielen Menschen in meinem Umfeld beobachte.

Eine klare politische Haltung zu haben ist nichts verkehrtes, aber grundsätzlich jeden zu verurteilen, dessen Haltung von der eigenen abweicht, ist "Brandmauer" im negativsten Sinn.

Wer in Krisenzeiten - und wir springen seit Jahren von einer Krise zur anderen - einfache Lösungen anbietet, handelt fahrlässig. Wer sich - in der politischen Verantwortung findend - mehr mit sich selbst und seinen wechselnden Partnern beschäftigt als nach pragmatischen Lösungen zu suchen, handelt ebenso fahrlässig. Politik der Verantwortung muss Machtpolitik ersetzten. Der Wähler verschenkt keine Macht, er leiht sie nur aus, um Verantwortung wahr zu nehmen.

Und jetzt würde ich gerne einen ehemaligen Bundeskanzler zitieren, mit nur einem Wort: BASTA!